RMG auf „Tuchfühlung“ mit der afrikanischen Welt
Freitag, 26. März 2010
RMG auf „Tuchfühlung“ mit der afrikanischen Welt


„Am Hungertuch nagen" – diese sprichwörtliche Redensart ist jedem geläufig – dagegen kennt die Hungertuch-Idee kaum jemand.
Anlässlich der Fastenzeit nutzten der katholische Religionskurs der Jahrgangsstufe 11 (und einige Schülerinnen und Schüler der Jahrgansstufe 12) von Frau Veysey sowie der evangelische Religionskurs der Jahrgangsstufe 12 von Herrn Remy die Gelegenheit, um den Hungertuchkünstler 2009, Tony Nwachukwu (51) persönlich kennen zu lernen und von ihm die Hintergründe und Bedeutung des Hungertuches zu erfahren.
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Am Nachmittag des 24.02.2010 versammelten sich die beiden Religionskurse bei dem Bischöflichen Hilfswerk Misereor in Aachen, wo der gebürtige Nigerianer nach einer kurzen Einführung durch die Hungertuch-Projektleiterin seinen Vortrag in Englisch hielt.
Die Tradition des Hungertuches entstammt einem über tausendjährigen, kirchlichen Brauch aus dem Mittelalter, nach dem mit einem solchem Tuch in der Fastenzeit der Altar sowie das Geschehen am Altar verhüllt wurde. Die Gläubigen sollten durch das Verhüllen zur Anteilnahme am Leiden Christi herangeführt werden. Vermutlich geht der Ursprung auf die Bußdisziplin der frühen Kirchen zurück, die genauen Gründe der Entstehung sind allerdings nicht mehr eindeutig festzumachen.
Seit 1976 erlangen die Hungertücher weltweit, vor allem in der Bundesrepublik, während der Fastenzeit eine zunehmende Popularität – dank der Initiative von Misereor.
Das neubelebte Hungertuch will aber nicht nur an die ursprüngliche, frühmittelalterliche Verhüllungstradition anknüpfen, sondern beinhaltet auch gesellschaftlich – sozialkritische Aspekte und fordert zum mitmenschlichen, christlichen Handeln auf, im Sinne der biblischen „Nächstenliebe". Das liefert vor allem in der Fastenzeit, als Zeit für Bekehrung und Umkehr, wichtige Impulse für die Entwicklungshilfe / Entwicklungszusammenarbeit mit Ländern der „Dritten Welt“.
Aus Diesem Grund darf jedes Jahr ein Künstler aus einem Land mit einem durchschnittlichen Lebensstandart unter der Armutsgrenze, der von einer Kommission bei Misereor ausgesucht wird, das Hungertuch gestalten – in 2009 war es Tony Nwachukwu aus Nigeria, unter dem Motto: „Gottes Schöpfung bewahren – damit alle leben können".
In einer bewegenden Dokumentation seines eigenen, leidvollen Schicksals eröffnete er allen Teilnehmern einen emotionalen Einblick in die Situation von tausenden von Menschen, gefangen in einem Leben, in einem Land, in dem für die meisten die einzige Hoffnung der Tod ist. Die immer weiter voranschreitende Zerstörung der Umwelt ist nur eine der zahlreichen katastrophalen Auswirkungen, ausgelöst sowohl durch den globalen Klimawandel, als auch die landesinterne Verschmutzung, vor allem durch die Rohöl–Industrie. Bodenerosion, anschwellende Flüsse, Unwetter, vertrocknete Felder und eine schwere Verunreinigung des Trinkwassers machen eine funktionierende landwirtschaftliche Nutzung unmöglich und die Bevölkerung ist aufgrund eines korrupten Regierungs- und Justizsystems nicht im Stande, sich mit rechtlichen Mitteln zu wehren. Es gründen sich schwer bewaffnete Bürgermilizen, die Sabotageanschläge gegen die dort ansässigen Erdölkonzerne verüben.
Darüber hinaus führt eine durch die Klimaerwärmung voranschreitende südwärts - Ausdehnung der Sahara zur Versandung von Seen und zur sprichwörtlichen „Verwüstung" des Landes. Die daraus resultierende notorische Wasserknappheit lässt in Anbetracht der steigenden Geburtenraten eine dramatische Entwicklung für die kommenden Jahre prognostizieren.
Mit dem Hungertuch gelingt es Tony Nwachukwu den Schöpfungsbericht der Bibel mit seiner Alltagserfahrung in Nigeria zu verbinden und eine Brücke in die globalisierte Welt zu schlagen.
Das Hungertuch gliedert der Künstler in drei Bereiche: Die Schöpfung nach Genesis (oberer Teil), die Gefährdung der Schöpfung (linker Teil) und die Vision von der Bewahrung der Schöpfung durch die Menschen aller Kontinente (rechter Teil). Mit einer prägnanten und einprägsamen Formulierung brachte Herr Nwachukwu zum Ende der der Diskussionsrunde nach der Präsentation seinen Kerngedanken folgendermaßen auf den Punkt: „Wasser und Luft kennen keine Grenzen. Die Luft, die wir in Nigeria atmen, atmen wir auf der ganzen Welt. Das Wasser, das wir in Nigeria trinken, trinkt jeder Mensch."
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Maximilian Schmeißer, JS 11

 
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